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Ausbildung in Märchen-, Traum- und Symboltherapie 2012 siehe unter Seminartermine

Symbol- und Märchentherapie

Eine sehr große Hilfe, ein Gesamtbild aus den vielen einzelnen Wahrnehmungsmomenten von Verreibung und Prüfung zu finden, sind mir die Märchen, Mythen, Urbilder und Träume; sie helfen mir essentiell zum Verständnis des Heilungsverlaufs.

Urbilder bleiben verwandelbar, lebendig, es gibt immer wieder neues darin zu entdecken. In dem Moment, wo wir etwas in Begriffe definieren, wo wir einen Begriff denken, wie Baum, gibt es daran nichts weiter zu entdecken. Wird aber der Baum zum Symbol, können wir unseren Assoziationen freien Fluss lassen, wie zum Beispiel: Schutz, Lebenskraft, Vermittler von Himmel und Erde, verwurzelt, mächtig, Lebensspender usw.

Die Märchen und mythischen Bilder sind aus dem archetypischen Urgrund des Menschseins geschöpft. Sie sind Wahrbilder, die Vergangenes, Gegenwärtiges und gleichzeitig Zukünftiges beinhalten. In ihrer Vielschichtigkeit sind sie ein schöpferischer Strom, in dem je nach Blickwinkel und Reife immer wieder neue Inspirationen gefunden werden können, die alle auf der Grundlage ihres Urbildes wahr bleiben.


Symbolische Stationen einer Biografie

In der Patientenbegegnung arbeite ich dann mit Märchen, wenn ich ein Märchen als  entsprechendes Urbild in der Anamnese erkannt habe. Es hilft dem Patienten, seine Lebenssituation in einem Gesamtprozess zu verstehen. Fühle ich mich z.B. wie ein "Aschenputtel", dann muss ich durch dienende und demütigende Situationen hindurch, um später von einem "Prinzen" oder einer höheren Aufgabe gefunden zu werden. Gerade das "Pech" auf dem Wege wird mir dabei helfen, gefunden zu werden, und ist ein notwendiger Schritt im Heilungsprozess. All die "Aschenputtelprozesse" finden im Saphirraum statt und weisen auf den Saphir als Heilmittel.
Oder ein anderes Beispiel: Es plagen einen Patienten große Schuldgefühle und Ängste, auch würde er am liebsten eine bestimmte Person "aus Wut an die Wand klatschen". Sprechen dann auch seine anderen Beschwerden für den Amethyst, dann hift es, mit den Patienten das Märchen Froschkönig zu besprechen, denn darin ist erst durch das An-die Wand-werfen eine tiefgehende Verwandlung und Heilung möglich. Dabei finde ich mit dem Patienten heraus, an welcher Stelle er in der Entwicklung des Märchens steht, um seinen nächsten zu vollziehenden Schritt im Gesamtprozess zu erkennen. Denn die nächsten Schritte fühlen sich nicht immer harmonisch und gut an, wenn man zum Beispiel im Pech als "Aschenputtel" hängen bleibt. Was zunächst erschreckend, falsch oder krank zu sein scheint, ist im Gesamtprozess ein notwendiger Lernschritt. Denn nur durch den im Pech stecken gebliebenen Schuh findet der Prinz Aschenputtel. Der Patient erkennt aus dem Gesamtbild die verschiedenen Stadien des Heilungsprozesses und wie sie sich gegenseitig bedingen. Er ist dadurch viel eher bereit, schwierige Situationen anzunehmen und unangenehme Schritte zu vollziehen, um sich aus Blockierungen zu befreien.

Träumen mehrere Menschen von einem bestimmten Baum, dann ist einerseits der Wesensgehalt dieses Baumes – zum Beispiel der Esche – grundlegend; sie ist das Symbol. Trotzdem ist der individuelle Kontext des Träumers zu berücksichtigen. Es ist immer bedeutend, nach den persönlichen Assoziationen zu fragen. Der eine assoziiert dazu die Weltenesche, der andere eine persönliche Begegnung, die einmal unter einer Esche stattfand, und so weiter. Der Baum öffnet jedem einen anderen Erfahrungsraum, der zu einer unterschiedlichen Botschaft des Traumes führen kann. Traumsymbolbücher, in denen steht: Baum bedeutet dies und Haus bedeutet jenes, führen oft von der Botschaft des Traumes weg. Denn die Bilder sind zwar aus dem archetypischen Urgrund geschöpft, sind Symbole, trotzdem sind diese an eine bestimmte Person gerichtet, sind ihr persönliches Symptom. Die eigene Assoziation ist immer ein Schlüssel zum Trauminhalt.

Märchen und Träume haben eine ähnliche dramatische Struktur. In ihren ersten zwei Sätzen oder Bildern wird das Thema beschrieben, um das es in der nachfolgenden Handlung geht, ähnlich einer "Diagnose". Zum Beispiel erfahren wir im Märchen Dornröschen gleich zu Beginn, dass der König und die Königin kein Kind bekommen und darüber sehr traurig sind. Hier geht es um das Thema einer Unfruchtbarkeit, die im Laufe der Handlung geheilt werden soll. Um dieses im Märchen oder auch in Träumen anfänglich eröffnete Thema entwickelt sich die weitere Handlung, die zu einer Veränderung und Weiterentwicklung der Anfangssituation führt. Die Handlung zeigt die zu vollziehenden Schritte auf, um zu einer Heilung des anfänglichen Problems am Schluss des Märchens zu gelangen. Dabei mündet die Entwicklung meistens in eine Krise, die den Höhepunkt der dramatischen Entwicklung und seinen Wendepunkt im Handlungsverlauf beschreibt. In den letzten Sätzen des Märchens wird dann der geheilte Zustand der Anfangssituation beschrieben. Um dieses Ziel zu erreichen sind alle Vorkommnisse während der Handlung notwendige Schritte dahin.


Märchen: Das Mädchen ohne Hände

Eine wunderbare kreative Methode der Forschung besteht darin, ein Märchen mit verteilten Rollen zu spielen. Dabei ziehen die Teilnehmer ihre Rollen in geheimer Wahl. In den Verreibungsgruppen ist es jedesmal erstaunlich, dass sich jeder die Rolle zieht, die mit seinem Ringen um die Themen zusammenhängt und um deren Inhalte er in der Verreibung gerungen hat oder die sich ihm offenbart haben. Im dramatischen Spiel wird die Vielschichtigkeit eines Themas viel erlebbarer, als wenn nur darüber gesprochen würde. Einerseits kann ich meine Rolle in dem Prozess besser erkennen und wie sie sich im Zusammenhang mit den anderen gestaltet. Jede noch so kleine Rolle ist wichtig und unbedingt notwendig für den Verlauf der dramatischen Handlung. Wenn sich auch nur eine kleine Rolle in ihrem Spiel verweigert, ist eine Weiterentwicklung der Handlung kaum noch möglich und auch die anderen Rollen bleiben am Ende unerlöst.

Es fällt vielen Menschen schwer, die scheinbar bösen Rollen zu spielen. Aber im Zusammenspiel ist zu erleben, dass diese die tragenden Rollen sind, an denen sich die anderen entwickeln und zu ihren Heilschritten finden. Wissen wir, welche Rollen wir für das Ganze im Leben zu spielen haben? Haben wir den Mut, eine undankbare Rolle für den ganzen Prozess zu spielen, obwohl wir am Ende keinen Dank ernten, sondern die Verachtung und Verurteilung der anderen, die wir mit auf den Weg gebracht haben? Solche Rollen zu spielen, ist ein Opfer für die Entwicklung aller. Es wird sehr viel im Spiel offenbar, was vorher gar nicht denkbar gewesen wäre. Denn im Zusammenspiel reagieren wir auf das Spiel der anderen, und oft bekommt eine Rolle im Spielverlauf eine völlig andere Prägung und das Märchen ein anderes Ende. Die Heilprozesse der hier beschriebenen Edelsteine und unser Part darin wurden uns am Märchenspiel sehr anschaulich erlebbar. Wir lassen uns im Märchenspiel nicht durch den Text festlegen, sondern lassen uns von dem lebendigen Zusammenspiel inspirieren. Was sich dabei ereignet, ist immer stimmig und bedeutsam für den jeweiligen Prozess in der Gruppe – und in der Erfahrung mit dem Heilmittel.

Symbolarbeit
In der Patientenbegegnung übe ich eine kreative Art der Gesprächsführung. Ein "normales" Gespräch verläuft meistens vor allem nach dem mentalen Prinzip. Dabei erfahre ich, was mein Gegenüber über sich und seine Krankheit denkt und welche Vorstellungen es darüber besitzt. Das Wort "Vorstellung" drückt es sehr bildlich aus: Wir stellen unsere mentalen Überlegungen oft vor die Dinge und schauen nicht weiter, was sich dahinter oder darunter befindet. Meistens sind wir uns nur über die Spitze des Eisberges bewusst, der Rest breitet sich unerkannt unter dem Meeresspiegel des Bewusstseins aus. Um ins Meer einzutauchen, um von dem darunter Liegenden zu erfahren, können wir zum Beispiel nach Träumen fragen. Viele Menschen erinnern sich aber nicht an ihre Träume.
Ich hatte einmal eine Patientin, die akut ihre Sprache verloren hatte. Wir unterhielten uns mit Gebärden und Gegenständen aus dem Raum, die sie auf meine Fragen in Beziehungen zueinander hinstellte. Erstaunlicherweise erfuhr ich viel schneller und tiefergehend mehr über sie und ihre Beweggründe, als es sonst in einem normalen Gespäch passierte.

Seitdem gehe ich oft nach einer kürzeren Anamnese zur Symbolarbeit über, die ich in der Praxisarbeit entwicklt habe. Ich habe in meiner Praxis eine große Auswahl der verschiedensten Dinge; aus diesen lasse ich etwas spontan aussuchen. Zum Beispiel sucht mein Gesprächspartner etwas aus, das für ihn steht. Dann sucht er weitere Dinge für seine Krankheitssymptome, seine Fragen oder Ähnliches aus. Als letztes lasse ich ihn einen Gegenstand spontan nehmen, der symbolisch für seinen nächsten Heilschritt steht. Dabei platziert der Patient all diese Dinge nach Gefühl im Raum. Dann bitte ich ihn, etwas zu den einzelnen Gegenständen frei und spontan zu assoziieren und die verschiedenen Positionen der Gegenstände im Raum einzunehmen. Das führt zu erstaunlichen Resultaten, weil durch das Assoziieren über die Symbole und ihre Stellung im Gefüge vieles Unbewusste ans Licht kommt. Wie absichtslos spricht sich sehr schnell das Wesentliche aus. Dabei werden mit den symbolischen Gegenständen auf spielerische Weise ungeahnte Lösungsmöglichkeiten gefunden. Diese Arbeit ist auch sehr wirkungsvoll, wenn Paare in die Praxis kommen, weil durch die Symbolarbeit das Gewebe der Beziehung meistens sofort anschaulich wird.


Bild: Coco Radsack

Es ist immer wieder sehr erstaunlich, wie stimmig der spontan ergriffene Gegenstand ist, um eine tiefer liegende, unbewusste Botschaft zu entschlüsseln. Der ausgewählte Gegenstand wird dabei zum Symbol und wirkt wie ein Schlüssel, der die dahinter und darunter liegenden Dimensionen aufschließt. Der Gegenstand selber ist dabei nicht vorrangig, sondern die persönlichen Assoziationen dazu, die den Gefühlen und Bildern, Phantasien und Gedanken freien Lauf lassen, ohne zu zensieren. Die Symbole fangen an, Erstaunliches zu erzählen, ähnlich wie die aus dem mythischen Bewusstsein geschöpften Träume und Geschichten. Es entsteht ein freier Raum, in dem sich alles ereignen kann und den der Patient oder die Patientin aus sich heraus selber gestalten.

Die Begegnung mit den Symbolen mündet oft in ein schöpferisches Spiel, in dem der Heilungsprozess sich in seinem tieferen Zusammenklang ereignet und durch das innere und äußere Bewegen der Symbole ausspricht. Dabei bin ich nur fragende Begleiterin des Geschehens und notiere das sich Ereignende. Durch das spontane Ergreifen eines Symbols schöpfen wir aus dem magischen Bewusstsein, das genau das richtige Ding ergreift. Im freien Assoziieren geben wir dem mythischen Bewusstsein Raum, sich in Bildern, Gefühlen und Wahrnehmungen auszusprechen. Dieses reflektieren wir im anschließenden Gespräch, dadurch nehmen wir das mentale Bewusstsein mit hinein, um durch den ganzen Vorgang einen integralen Raum zu gestalten, in dem sich der Heilprozess und ein zugehöriges Heilmittel aussprechen können.
Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie die einzelnen Symbole sich in einem umfassenderen Bild zusammenfinden. Wie Mosaikteilchen fügen sich abgespaltene, verdrängte, ungeliebte oder isolierte Anteile der Biographie in ein übergeordnetes Bild zusammen und offenbaren ein zugrunde liegendes, weit über das Persönliche hinaus wirkende Urbild. Alles hat darin seinen wichtigen Platz und tieferen Sinn. Es geht nicht darum, etwas aufzulösen oder abzutrennen, sondern es erlöst sich, indem es den stimmigen Platz im Zusammenklang der verschiedenen Daseinsebenen bekommt.
Ein Patient sagte einmal: "Ich war zehn Jahre in einer Psychoanalyse, bei Ihnen habe ich in einem Termin eine Psychosynthese erfahren." Während der Symbolarbeit wird ein integraler Raum im Sinne der C4-Ebene gestaltet, in dem die Heilkraft des Mittels sich ereignet und ausspricht. Daraus erkenne ich die stimmige homöopathische Gabe für den nächsten Heilschritt.

Im Buch werde ich Beispiele aus der Symbolarbeit geben. Trotzdem ist es nur sehr fragmentarisch möglich, das Geschehen während dieser Arbeit in Worte zu bannen, weil es weit über das mentale Bewusstsein hinausgeht.

Dies ist eine gekürzte Fassung der Beschreibung der Symbol-, Märchen- und Traumtherapie. Die ungekürzte Version finden Sie in der Leseprobe auf der Seite "Das Buch".

 

 

 

 

 

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Ein Symbol weist über sich hinaus auf eine Bedeutung, die mit den üblichen Worten unserer Sprache nicht zu fassen ist.
E.C. Whitmont





 
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